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Fluten-Log
Volker Friebel

 

Jede Woche einen Text.

Wenn nicht anders angegeben, stammen die Beiträge aus der jeweiligen Kalender-Woche.

 

 

Woche 2016-38

 

„Mein Leben lang war ich ein Herumtreiber und habe viel erlebt und gelernt. Nun bin ich alt geworden – aber auch weise? Nein. Kann ich das irgendwie nachholen?“, fragte ein grauhaariger Wanderer.

„Besser nicht“, entgegnete Mu dem Alten. „Im Alter sollte man lieber nicht weise sein. Das schickt sich eher für die Jugend, wo es auch nötiger ist.“

Und Mu streckte seine Zunge heraus.

Der Greis lachte und zeigte ihm seine.

 

    Aus: Volker Friebel (2013): Murmel Mu – Aus den Weisheiten eines Murmeltiers. Tübingen: Edition Blaue Felder. Nur als eBuch (epub- und Kindle-Format).

 

 

Woche 2016-37

 

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    Text und Foto: Mo. 12.09.2016, Jakobsweg Spanien, in Noja, mittags.

 

 

Woche 2016-36

 

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    Text und Foto: Di. 06.09.2016, Jakobsweg spanisches Baskenland, morgens am Kloster Zenarruza .

 

 

Woche 2016-35

 

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Geduldig suche ich die gefallenen Maronenkugeln auf dem Weg ab, nach der einen, die sich schon selbst geöffnet hat.

    Texte und Foto: Do. 01.09.2016, Jakobsweg spanisches Baskenland, Wanderung Irun – San Sebastian, morgens.

 

 

Woche 2016-34

 

Lichtstrahlen fallen schräg über die Wand des Barlach-Ateliers, Güstrow, erleuchten einen Streifen der Wand, fallen aus einem Fenster über den Skulpturen, scheinen zu stehen an dieser Wand, ewig zu stehen, hinter Plastiken aus atmender Vergangenheit.

Eine Klimaanlage brummt zum Schutz der Kunstwerke. Draußen wütet die Sommersonne.

Wir sind vertieft in die Falten der Zeit, die mehr über das Leben aussagen könnten, als das Autorauschen der Straße, auf der wir herkamen, mehr als das Rauschen des Windes in den immer neuen Werken des Laubs, vielleicht sogar mehr als dieses Licht.

 

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Do. 25.08.2016, Güstrow. Das Foto und die Prosa sind aus dem Barlach-Atelier, das Haiku aus dem Dom St. Maria.

 

 

Woche 2016-33

 

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Text und Foto vom Dienstag, 16. August 2016, Zingst (Ostsee).

 

 

Woche 2016-32

 

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Text und Foto vom Mittwoch, 10. August 2016, Tübingen.

 

 

Woche 2016-31

 

15. Brief: Olympia und das IOC

 

International Olympic Committee (IOC)
Lausanne

 

An den Präsidenten des Komitees,

immer mehr Sportarten drängen zu olympischem Glanz. Nächstens müssen Sie noch über einen Antrag zur Aufnahme des Weitspuckens als olympische Disziplin entscheiden.

Geht es den Spielen gut? Finanziell ja. Und auch in der Breitenwirkung. Aber was ist mit der Tiefe, mit ihrer spirituellen Dimension?

Ich schlage einen Pilgergang vor, barfuß, zu den heiligen Stätten Olympias, zur Rückbesinnung am Ort , wo der Altar von Rhea stand.

Einst war da nicht viel. Ein Laufwettbewerb, ohne Zeitmesser, denn das Göttliche hat keine Zeit, es ist immer. Daneben nur Flötenspiel. Dem Sieger, nur ihm, einen Kranz aus Olivenzweigen! Ein Fest für die Erscheinung des Göttlichen im Leben der Menschen.

Wo soll es sonst sein? Was können wir Menschen ihm entgegen bringen, wie können wir es anrufen, wenn nicht mit dem Besten an Kraft und Kunst, das wir haben?

Das Göttliche ist überall, aber es zeigt sich uns im Besonderen. Das das Einfache sein kann, wenn wir ganz bei ihm sind: Ein langgezogener Flötenton, der Lauf freier Männer durch das Stadion.

Ich sehe einen langen Zug der Funktionäre in der flirrenden Sonne Griechenlands. Schwarze Kutten, Kapuzen, Tränen sehe ich und Blut auf den Steinen, Staub, Schweiß, aber dann, vielleicht, im Anblick der Stätten dieses Besondere, von dem niemand weiß, was es ist, und dass es Sie, im Abseits der Medien und Werbegelder, dort überfällt.

Ich würde mitkommen.

    Scardanelli

 

PS: ,Dabei sein ist alles.‘ Was bedeutet ,dabei sein‘? Bitte, bitte, schalten Sie die Kameras ab!

 

 

Nachschrieb
nicht abgeschickt

 

International Olympic Committee (IOC)
Lausanne

 

Liebe Funktionäre,

noch habe ich keine Antwort auf meinen ersten Brief und sende doch, zögernd, einen zweiten.

Es ist die Schwierigkeit, sich zwischen Anspruch und Verhältnissen zu entscheiden. Meist läuft es auf ein Lavieren hinaus. Ist es nicht gut, diesen Rahmen zu bieten, in der eben so existenten Welt? Die Menschen müssen ihn sich selbst mit Inhalt füllen. Der Rahmen aber verankert sich ganz in der Welt.

Bitte verbrennen Sie meinen ersten Brief. Ich stelle hiermit stattdessen den Antrag zur Aufnahme des freien Wanderns als olympische Disziplin. Sieger soll der sein, der auf einer beliebigen Wanderung seit Ende der letzten Olympiade die bedeutendste spirituelle Erfahrung zu berichten weiß. Beurteilt werden soll nach Kategorien von Erschütterung und Tiefe.

 

    Aus: Volker Friebel (2015): 17 Briefe an die real existierende Welt. Der Bibliothekar. Tübingen: Edition Blaue Felder. Papierbuch und eBuch. Original geschrieben und verschickt im Sommer 2010.

 

 

Woche 2016-30

 

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Text und Foto: Mittwoch, 27. Juli 2016 Würmtal bei Holzgerlingen.

 

 

Woche 2016-29

 

Aus Fugen

 

[...]

3

Geschwisternschaft zwischen den Gräsern
und dir, und den Schmetterlingen –
demselben Samen sind wir entsprungen,
so können wir den andern erkennen,
denn etwas von ihm ist in uns.

Doch während du kniest,
vor dem Wunder des Lebens, stempelt das Parteibüro
alle Bäume.

Während du im Widerhall die Stimmen
des Waldes hörst, hört es das Klingeln
möglichen Geldes.

Während du im Widerhall dich selbst erkennst,
lehrt es, dass man mit Fliegen Fische fängt,
mit Kreditkarten Menschen.

 

4

Alles verwandelt das Büro in Geld:
Liebe, Sorge, Freude, Tanz, um es besteuern zu können,
und zu reden dann von „Gerechtigkeit“.

Weil die Welt gerecht ist,
wenn auch dein Atemzug vorgeschrieben wird,
verwaltet, maßgeregelt,

abgestempelt und steuerlich veranlagt,
und sein „Mehrwert“ aufgeteilt,
vergossen über die Menge.

Die Liebe will nicht kämpfen, sie will sich entziehen.
Sie ist ausgewandert
und wohnt nun im Staate Owdnegrin,

hinter den sieben Bergen,
weit hinter dem Regenbogen jener Gerechtigkeit,
den das Büro an seinen Himmel malt.

 

5

Der Ekel kämpft nicht, er wendet,
wie die Liebe, sich ab. Was kämpfen könnte,
ist alleine der Zorn.

Was kämpfen könnte, ist alleine der Blick,
der in den Wolken geruht hat, und nun heimkehrt,
in ein schwer befestigtes Land.

[...]

 

    Aus: Volker Friebel (2010): Zonen der Kampfjets. Gedichte und Haiku. Tübingen: Edition Blaue Felder

 

 

 

Woche 2016-28

 

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Text und Foto: Montag, 11. Juli 2016 bei Waldstetten.

 

 

Woche 2016-27

 

Heute beginnt eine Fahrradfahrt an den Quell des Neckars und weiter, zum Quell der Donau. Da war ich schon.


Am Quell der Donau

[...]

11

Alles Mühen der Ahnen, ihr Scheitern,
erneutes Mühen, zurückgenommen sind ihre Falten,
und glattgestrichen, im Gesicht dieses Neugeborenen,
das seine Augen nun öffnet,
und schaut. Bald wird es lächeln,
ins Unbekannte.

Die alte Frau blickt es an,
wiegt das Kind in der Beuge des Arms.
Am Quell der Donau.


12

Alle Ströme entspringen im Himmel,
in dem sie enden.

 

    Aus: Volker Friebel (2010): Zonen der Kampfjets. Gedichte und Haiku. Tübingen: Edition Blaue Felder

 

 

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    Aktuell 25.09.2016 auf www.Fluten-Log.de, Einrichtung 02.03.2014
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