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Fluten-Log
Volker Friebel

 

 

Archiv November 2014

 

 

Sonntag, 30. November 2014

 

„Wo liegt eigentlich unser Arbeitsplatz?“, tschilpt Anton.

„Unser Arbeitsplatz ist die ganze Welt“, tschilpt Karl.

Anton jubelt. „Dann bekommen wir bestimmt ein dickes Gehalt!“

„Wir bekommen gar keines.“

 

***

 

Kahle Platanen.
Um Dohlenschreie die Tiefe
des Himmels.

 

 

Samstag, 29. November 2014

 

Der Geschmack
eines Apfels. Hinter dem Rollladen
Sterne wissen.

 

 

Freitag, 28. November 2014

 

Der Chorleiter
im Herbstwald: Die Hände erhoben
vor rauschendem Laub.

 

 

Donnerstag, 27. November 2014

 

„Hallo, Karl“, tschilpt Anton.

„Hallo, Anton“, tschilpt Karl.

Anton seufzt und tschilpt dann: „Schade, dass wir nur Spatzen sind!“

„Warum schade?“, fragt Karl.

„Wenn wir Menschen wären, könnten wir planen“, behauptet Anton.

„Was willst du denn planen?“

„Vieles.“

„Zum Beispiel?“

„Zum Beispiel“, hebt Anton an, „zum Beispiel Bäume, die hoch am Himmel schweben, wo keine Katze hinkommt.“

„Das wäre toll!“

„Das wäre ganz toll!“

„Aber Bäume brauchen auch etwas aus der Erde – Mineralien! Das hab ich auf dem Pausenhof gehört!“ Karl plustert sich stolz auf.

„Wenn wir planen könnten, dann könnten wir planen, wie wir die Bäume in der Luft mit Mineralien versorgen“, tschilpt Anton.

„Vielleicht“, tschilpt Karl.

„Bestimmt!“, tschilpt Anton.

„Auf Bäumen wachsen aber Früchte“, setzt Karl fort.

„Na und?“

„Wenn so eine Kokosnuss oder eine Kirsche vom Baum plumpst, dann steht darunter vielleicht gerade ein Menschenkind –“

„Oder eine Katze.“

„und fällt tot um. Das wäre doch schlimm!“, tschilpt Karl.

„Finde ich nicht“, sagt Anton.

„Nicht?“, Karl reckt den Schnabel vor.

„Geschieht der Katze nur recht!“, behauptet Anton.

„Wir bräuchten dann aber eine Versicherung“, tschilpt Karl, „sonst fliegen die Menschen hinauf und sägen den Baum ab. Und unser Nest fiele mit allen Eiern heraus!“

„Haben wir eine Versicherung?“, fragt Anton.

„Nein – und auch kein Nest“, tschilpt Karl.

„Ein Glück, dass es keine Bäume im Himmel gibt“, tschilpt Anton.

„Seien wir froh!“, tschilpt Karl.

 

 

Mittwoch, 26. November 2014

 

Auf dem Schreibtisch liegen Papiere. Und eine Lesebrille. Ich steige hindurch ins Gewirre der Buchstaben. Gekrakel, wenn du nicht lesen kannst. Um die Vokale geh ich herum und springe über ein paar Konsonanten. Aber noch bleibe ich stumm! Als sich die Zeichen zu Wörtern vereinen und sich die Wörter zu Sätzen verbünden, merke ich auf: Das Rechnerrauschen scheint leiser geworden. Ich räuspere mich.

Novembernacht.
Hinter dem Rollladen
Sterne wissen.

 

 

Dienstag, 25. November 2014

 

Die Moderatorin blinkt mit den Wimpern.

„Geehrte Sesseldrücker, geehrte Luftveredlerinnen! Neulich haben wir in der Redaktion wieder einmal das Problem besprochen, dass die Sendezeit für die Nachrichten immer gleich bleibt, ganz egal wieviel passiert und wie wichtig das Passierte ist. Da haben wir doch“, sie gluckst in sich hinein, „eine Umfrage in Auftrag gegeben, um zu erfahren, was denn eigentlich Sie, liebe Zuschauer, für die beste Lösung halten. Und tatsächlich: Falls mal überhaupt nichts Wichtiges geschieht, so Ihr Mandat, mögen doch die Moderatoren unserer Sendeanstalt Nachrichten aus ihrem Privatleben erzählen.

Weil heute in der weiten Welt alles ruhig blieb, also zu mir.“

Sie legt ihr Blatt weg und lächelt frei in die Kamera.

„Auch bei mir war alles ganz ruhig. Ich habe bloß ein Gespräch mit einem Schmetterling und eines mit einer Werbeagentur geführt. Und so sehen Sie nun etwas leichte Werbung. Vom Erlös geht die Hälfte an ein Schmetterlingshaus.“

 

 

Montag, 24. November 2014

 

Schreibtischdämmern.
Ins Herbstlaub gefallen –
eine Büroklammer.

 

 

Sonntag, 23. November 2014

 

Am Haus wächst
ein Gerüst in das Dämmern.
Novemberfarben.

 

 

Samstag, 22. November 2014

 

„Ich habe gelernt, was links ist“, tschilpt Anton.

„Ich habe gelernt, was rechts ist“, tschilpt Karl.

Sie sitzen sich über dem Feld auf zwei Leitungsdrähten gegenüber.

„Wir zeigen es einander“, tschilpt Anton. „Erst fliegen wir ein Stückchen nach links in den Himmel – und dann ein Stückchen nach rechts.“

„Nein, erst nach rechts und dann nach links“, tschilpt Karl.

„Immer erst das, was du besser kannst!“, schimpft Anton.

„Nein, immer erst das, was du besser kannst!“, schimpft Karl.

„Macht nichts“, tschilpt Anton.

„Machen wir es eben so, wie jeder es am besten weiß!“, tschilpt Karl.

Sie werfen sich in den Himmel – und wundersam! Obwohl der eine nach links und der andere nach rechts schwirrt, fliegen sie nebeneinander! Doch als sie links und rechts dann vertauschen, verlieren sie sich!

„Karl hat wieder einmal versagt“, tschilpt Anton vom Dach einer Scheune.

„Anton hat keine Ahnung von links und von rechts“, tschilpt Karl aus dem Apfelbaum.

 

 

Freitag, 21. November 2014

 

Was passiert eigentlich, wenn wir alle Widerstände und Hindernisse überwunden haben? Was passiert , wenn die Menschen den Mangel besiegt haben und den Raum und den Tod? Wenn sie alles tun und lassen können?

Die Stadt wird nur eine Zwischenstufe sein. Eine spätere Stufe ist womöglich eine künstliche Sphäre um die Sonne. Die Energieaufnahme aller Wesen ist auf Photosynthese umgestellt. Die Menschen gehen über eine endlose Wiese und reden miteinander. Weil sich allerdings nichts ereignet, weil sie unsterblich sind und die Ungerechtigkeit verschiedener Begabungen und verschiedenen Aussehens schon lange abgeschliffen wurden, unterscheiden sie sich nicht voneinander. Die Menschen gehen umher und reden mit Spiegelbildern ihrer selbst. Zu tun gibt es nichts. Jedes Streben ist in der Vollkommenheit erloschen.

In einem Roman (Titel und Autor vergessen) las ich von einem Volk, dessen Individuen jedes für sich in ewiger Ekstase um ihren Planeten kreist.

Die Frage ist, wohin das Mühen und Streben letztlich führt. Die Antworten sind unangenehm oder verweisen auf die Frage zurück. Kein Anschluss unter dieser Nummer. Wenn aber zu fragen die falsche Antwort ist, was ist dann die richtige? 2014-11-21 13-06-44 0785 Herbstwald Kleines Goldersbachtal Schönbuch 300x400 95%Die Fraglosigkeit reiner Existenz? Den Apfel essen? Das Wasser trinken? Das Haus bauen? Den Himmel betrachten?

Als ich den gestrigen Eintrag auf einem Spaziergang durch die Platanenallee nochmals durchging, fiel mir so viel mehr zu ihm ein. Etwa, dass einige Leute die Entscheidung Sajatas umgehen, indem sie auch noch den Verstand kontrollieren, indem sie etwa zu Häschen werden, unsterblichen Kaninchen, die durch die Wälder hoppeln. Mit ein paar Schutzeinrichtungen gegen die Füchse und klimatische Veränderungen und das Explodieren der Sonne.

 

***

 

Waldbachmurmeln,
vom Braun der Blätter gefärbt.
Wandererschritte.

 

 

Donnerstag, 20. November 2014

 

Am Morgen bauten wir eine Stadt, zogen Häuser und Türme hoch, gestalteten Läden, weite Parks, den Lauf eines Flusses, einen Raumhafen, eine Universität ...

Alles wurde so schön, dass wir daran dachten, die anderen zu rufen, um eine Zeit in der Stadt miteinander zu wohnen.

Aber alle sind so weit verstreut.

Mittags bauten wir ein Haus am See.

Den Lauf der Wolken zu entscheiden, war schwierig. Unsere Vorlieben gehen noch ein wenig auseinander. Das freute uns. So entschieden wir nichts und ließen ein wenig Unruhe zu.

Nachmittags kam die Nachricht vom Freitot Sajatas in der Explosion eines Sterns. Er übermittelte dem Netz noch, es sei eine rein intellektuelle Entscheidung. Seine Gefühle hätten die Nanos im Griff.

Abends ruderten wir auf einem Kahn auf den See hinaus, um die Stadt brennen zu sehen. Der Schein der Feuer spielte in unseren Gesichtern. Schweigend saßen wir lange im Kahn, bis wir froren.

 

 

Mittwoch, 19. November 2014

 

Die Moderatorin lächelt das nächste Blatt an. „Nachrichten vom Planeten Eix. Die Feiern zur Einführung der Demokratie endeten heute mit einem Feuerwerk. Unmittelbar danach wurde das Königtum ausgerufen. Die Demokratie, so ein Sprecher des Parlaments, bleibe erhalten. Es habe sich aber als unumgänglich herausgestellt, eine Instanz über der immerfort auszuufern drohenden Bürokratie zu finden, die selbst nicht Bestandteil der Bürokratie sei, sondern ein Mensch.“

Die Moderatorin wendet sich an den Studiogast. „Dr. Schwanenflügel, wie ordnen wir diese überraschende Entwicklung ein?“

„Keine Ahnung“, antwortet der und neigt den Kopf. „Mir jedenfalls gefällt sie. Der ewige Widerspruch zwischen der wünschenswerten Teilhabe möglichst aller und der Unteilbarkeit von Verantwortung, wenn etwas funktionieren soll – vielleicht finden unsere tapferen Revolutionäre von Eix eine Lösung dafür. Gleichzeitig Demokratie und Königtum einzuführen: Das wird spannend!“

„Wie steht es denn mit der moralischen Dimension?“, fragt die Moderatorin sanft.

„Moralisch, moralisch?“ Dr. Schwanenflügel setzt seine Brille auf und räuspert sich. „Der König als exemplarischer Mensch, eine gute Idee – aber er pflegt bald weit weg von den Vielen zu sein. Ein bisschen weit ist gut, aber zu weit ist zu weit. Andererseits pflegen Gruppen in der Verantwortung zu besonders skrupellosen Entscheidungen zu neigen. Niemand fühlt sich mehr verantwortlich, wenn sich die Verantwortung auf viele verteilt. Die Intelligenz von Gruppenentscheidungen liegt in aller Regel unterhalb der Intelligenz von Entscheidungen einzelner. Wenn zu vieles berücksichtigt wird, wird das Ergebnis meist zu schwach. Wenn einer allein entscheidet, ist das Ergebnis eher unausgewogen. Aber es kommt darauf an.“ Der Studiogast seufzt.

„Wahrscheinlich gibt es für manche Probleme gar keine optimale Lösung“, bietet die Moderatorin an.

„Aber den Versuch, sich einer solchen nähern zu wollen“, der Studiogast strafft sich. „Entscheidend für jede gute Regierung ist, dass die Menschen in ihr eigentlich lieber Papierblumen falten oder Häuser bauen oder Schrauben herstellen wollen. Wenn es gelingt, die Leute auszusieben, die an die Macht wollen, und sie loszuwerden, dann ist das Regierungssystem vielleicht ganz egal.“

 

 

Dienstag, 18. November 2014

 

„Jeder gute Wachhund muss schärfer sein als sein Herr“, behauptet Dr. Schwanenflügel und zuckt mit den Schultern.

„So lernen wir etwas über Herren und Hunde.“ Die Moderatorin lächelt ihn an. Dann schaut sie in die Kamera und hebt ein weiteres Blatt.

„Und wir kommen zu einem geradezu entgegengesetzten Vorfall. Auf dem Planeten Eix wurde durch einen Volksentscheid überraschend die Demokratie eingeführt. Auf den Raumhäfen kommt es derzeit zu tumultartigen Szenen, da die Mitglieder aller politischen Parteien, auch derjenigen, die das Referendum initiiert haben, sich eilig abzusetzen versuchen. Auch in die Gegenrichtung sind die Flüge überbucht. Nicht nur wollen zahlreiche Sympathisanten zur Siegesfeier anreisen, sondern jede Universität des Sektors hat angekündigt, zu diesem einzigartigen Ereignis möglichst schnell eine Studiengruppe Soziologen in Front zu bringen.“

 

 

Montag, 17. November 2014

 

Die Hitze des Denkens
verströmen,
unter Novembersternen.

 

 

Sonntag, 16. November 2014

 

Ein Lindenblatt,
erleuchtet
zwischen Grashalmen.

 

 

Samstag, 15. November 2014

 

Nach der Party –
früh morgens im Zug die Blicke
Traurigkeit.

 

 

Freitag, 14. November 2014

 

Aus der Nacht
taucht ein Rohbau auf.
Novembersterne.

 

 

Donnerstag, 13. November 2014

 

„Beruhigende Nachrichten erreichen uns von GottesEigenerWelt.“ Die Moderatorin hebt ihren Blick in die Kamera.

„Der Präsident erklärte wörtlich: ‚Wir haben keine doppelten Standards.’ Er fuhr fort: ‚Wir haben strenge Standards, an die sich aber ausnahmslos alle Lebewesen im Universum zu halten haben. Denn alle Wesen sind gleich.’ Die einzigen Ausnahmen würden gestattet, wenn die Interessen von GottesEigenerWelt negativ beeinträchtigt würden. Dann würden allerdings nicht irgendwelche anderen, also doppelten Standards in Kraft treten, sondern es gälte dann einfach, was den Interessen von GottesEigenerWelt am besten diene.“

Die Moderatorin klappert mit den Augenlidern. „Die Welt hat sich wieder einmal zu sehr beunruhigt. Was ein Gespräch nicht alles bewirkt! Wir sollten viel mehr miteinander reden!“

 

 

Mittwoch, 12. November 2014

 

Die Moderatorin hebt ein weiteres Blatt: „Traurige Nachrichten erreichen uns vom Planeten Drehdichdrei im Speer-System. Ein Pferd geriet aus seiner Koppel auf die nahe gelegene Schnellstraße. Ein Auto fuhr in es hinein. Das Pferd befindet sich nach Auskunft der Universitätsklinik Dummeldei in kritischem, aber stabilem Zustand. Der Autofahrer musste wegen mehreren Arm- und Beinbrüchen erschossen werden.“

 

 

Dienstag, 11. November 2014

 

„Glaubst du eigentlich an Wiedergeburt?“, tschilpt Anton und hebt einen Fuß vom Hochspannungsdraht .

„Ich fürchte sie manchmal“, gesteht Karl, „wenn mir nämlich einfällt, dass ich irgendwo da unten, in der Unterwelt“ – er wischt mit einem Flügel über die Häuser des Dorfs – „als Mensch wiedergeboren werden könnte.“

„Warum so pessimistisch?“, tschilpt Anton. „Ich bin sicher, die Wiedergeburt gibt es. Denn mir gefällt der Gedanke, dass wir in den Himmel kommen – als weiße Wolken.“ Und er wischt mit dem Flügel hoch in das Blau.

 

 

Montag, 10. November 2014

 

Nachts im aufgekommenen Dunst –
ich suche
nach dem Mond.

 

 

Sonntag, 9. November 2014

 

Der Rechner sichert
meine Jahre. Ich denke an
den Mond.

 

 

Samstag, 8. November 2014

 

Das Licht ist aus, der Kameramann verärgert gegangen. Die Moderatorin nippt im Halbdunkel der Notbeleuchtung an ihrem Glas Wasser und fragt: „Erde, das klingt schön! Gab es dort außer Philosophen nicht auch einen Kaiser?“

„Sogar eine ganze Menge.“ Dr. Schwanenflügel tippt an sein Glas. „In den zehn Minuten, die unser Geschichtsunterricht für die Erde übrig hat, wird allerdings nur einer erwähnt.“

Die Moderatorin lächelt ihn an, den Mund leicht geöffnet.

„Weil er verhinderte, dass die auf der Erde vorherrschende Kultur sich so zersplitterte, wie das die anderen Kulturen taten. Damit hat er die Geschichte der Erde bestimmt. Außerdem ließ er die beiden größten Bauwerke des Planeten bauen.“

„War er groß oder verrückt?“ Die Moderatorin blinzelt.

„Natürlich beides“, antwortet der Studiogast.

„Der Name, Dr. Schwanenflügel?“, fragt die Moderatorin.

„Nils“, entgegnet der, „einfach nur Nils. – Und Qin Shihuangdi. Er lebte drei Jahrhunderte nach unserem Philosophen. Sie haben sich also leicht verfehlt.“

„Natürlich“, sagt die Moderatorin. „Kira“, fügt sie hinzu.

„Das Wasser ist recht nass“, meint Dr. Schwanenflügel und tippt nochmals an sein Glas. „Habt ihr nichts Trockeneres hier?“

„Wein?“ Die Moderatorin gluckst. „Nein. Aber zu Hause habe ich Sekt.“

 

 

Freitag, 7. November 2014

 

„Beunruhigende Nachrichten erreichen uns von GottesEigenerWelt“, schnurrt die Moderatorin. „Das bisherige ‚Ministerium für Information und Glückseligkeit’ wurde in ‚Ministerium für Präparationspsychologie’ umbenannt. Ich darf unseren heutigen Studiogast Dr. Nils Schwanenflügel um eine kurze Stellungnahme bitten!“

„Mir gefällt die Umbenennung und ich sehe sie als ein gutes Zeichen“, antwortet Dr. Schwanenflügel und lächelt die Moderatorin an. „Obwohl der neue Name garstig technisch klingt. Aber Massenmedien dienen nun mal der Präparierung von Massen für die Handlungen der Regierung und ihrer Konsequenzen.“

„Ist da nicht etwas mit dem Wecken von Verständnis für das, was in der Welt geschieht?“, fragt die Moderatorin.

„Vielleicht sollte man noch die Förderung von Harmonie untereinander dazunehmen“, überlegt Dr. Schwanenflügel und rückt sich die Brille zurecht. „Insofern ist der Verzicht auf das Wort ‚Glückseligkeit’ aus dem früheren Namen tatsächlich ein Verlust.“

„Und das Streichen von ‚Information’ nicht?“ Die Moderatorin runzelt die Stirn. „Dass Sie den neuen Namen besser finden, verstehe ich“, hakt sie nach. „Warum aber sehen Sie in ihm auch ein gutes Zeichen?“

„Auf dem Planeten Erde lehrte vor langer Zeit ein Weiser“, setzt Dr. Schwanenflügel an. „Er zog von Ort zu Ort und versuchte, den Herrschern die Kunst des richtigen Regierens beizubringen. Als er einmal gefragt wurde, was er selbst tun würde, wenn er zum Ersten Beamten einer Regierung ernannt würde, antwortete er: Die Bezeichnungen richtigstellen. Denn dass die Wahrheit gesagt wird und alle Dinge richtig benannt werden, ist Grundlage für das Vertrauen, ohne das kein Reich lange bestehen kann.“

Die Moderatorin lächelt und meint: „Ein wahrer Philosoph! Und ich habe schon ein Problem, an die nächste Woche zu denken!“

„Sie können sicher sein, dieses Problem hat unsere Regierung auch.“

„Also, liebe Klicks und Klacks, studieren Sie besser nicht Philosophie!“ Die Moderatorin greift nach dem nächsten Blatt.

 

 

Donnerstag, 6. November 2014

 

Tropfender Vollmond,
Birkenblätter
auf nassem Asphalt.

 

 

Mittwoch, 5. November 2014

 

Novemberregen.
Zwischen den Tropfen der Raum
für die Stille.

 

Oder:

 

Novembernacht.
Im Regen der Raum
für die Stille.

 

 

2014-11-04 13-15-14 0542 Herbstwald Kleines Goldersbachtal Schönbuch 300x400Dienstag, 4. November 2014

 

Wort um Wort verworfen,
in des Waldes
braunem Dämmern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Montag, 3. November 2014

 

Die Frage ist, ob sich durch Arbeit ein Text verbessern lässt oder ob man akzeptieren muss, dass er von Anfang an zum Untergang verurteilt ist. (Nachtrag vom Sa. 22.11.2014)

 

In goldenen Alleen

3. Fassung

In goldenen Alleen
zwei Schatten, hart am Blätterfall,
und unterm Brückenbogen gehen
die Wasser – Ufer überall,
Ufer des Himmels. Bläue
durchweht nun dein Gewand aus Zeit.
Brich Blumen ihr und streue
sie in das Nichts. Die Ewigkeit
ist wie ein Atemzug so weit.

 

2. Fassung

In goldenen Alleen
zwei Schemen, hart am Blätterfall ...
Und unterm Brückenbogen gehen
die Wasser – Ufer überall.
Ufer der Himmelsbläue.
Die weht durch dein Gewand aus Zeit.
Brich Blumen ihr und streue
sie in das Nichts. Die Ewigkeit
ist wie ein Atemzug so weit.

 

1. Fassung

In goldenen Alleen
zwei Schemen, hart im Blätterfall ...
Unter dem Brückenbogen gehen
die Wasser – Ufer überall.

Ufer der Himmelsbläue.
Die weht durch dich und weht durch mich.
Brich Blumen ihr und streue
sie in das Nichts und stich und stich

dem Tod die Augen aus, denn ernten wird
hier keiner und auch keiner dort.
Doch davon, dass ein Tanz sich irrt,
hat keiner je gehört ein Wort.

 

Notiz unterwegs

In goldenen Alleen
zwei Schemen, hart im Blätterfall ...
Unter dem Brückenbogen gehen
die Wasser – Ufer überall.

Ufer der Himmelsbläue.
Die weht durch dich und weht durch mich.
Brich Blumen ihr und streue
sie in das Nichts

 

 

Sonntag, 2. November 2014

 

„GottesEigeneWelt. – Ein Regierungssprecher erklärte auf einer Pressekonferenz, dass unverzüglich mit Waffenlieferungen für die Rebellen auf dem Planeten Sarius begonnen werden solle. Ein Journalist bat um nähere Erläuterungen, die Rebellen seien doch wegen anderer Aktivitäten als Terrorgruppe eingestuft, und außerdem stammten eigenartigerweise auch die meisten Waffen der dortigen Regierung von GottesEigenerWelt. Der Sprecher antwortete, dass damit dann wohl zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen wären – oder vielleicht sogar noch mehr.“

Nach der letzten Meldung senkt die Moderatorin ihr Blatt und fasst zusammen:

„Auch heute sind wieder Wolken über die Erde gezogen. Manche ließen das Licht stärker, manche ließen es schwächer durch. Aus manchen fiel Regen, aus anderen nicht.“

 

 

Samstag, 1. November 2014

 

Flugzeuge schreddern
den Himmel. Ein Blatt misst die Tiefe
der Welt.

 

 

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Aktuell 01.01.2015 auf www.Fluten-Log.de, Einrichtung 01.01.2015
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